Bericht von der Jahresversammlung am 18.02.2017 in Schernfeld

 

Eichstätter-Kurier vom 20.02.2017

„Wind bläst uns immer ins Gesicht“

Licht und Schatten bei Jahresversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft – Holzaufnahme bald via App

Von Franz Bauer

Schernfeld (EK) Das „positivste Erlebnis“ im Jahr 2016 war für die Forstbetriebsgemeinschaft Eichstätt (FBG) die Errichtung der neuen Geschäftsstelle. Den Bezug der Räume nannte Vorsitzender Hans Stadler auf der Jahresversammlung einen Meilenstein in der Entwicklungsgeschichte des forstwirtschaftlichen Zusammenschlusses.

Als „negativstes Erlebnis“ machte der Vorsitzende nicht die Wahl von Trump als US-Präsident aus, sondern den Borkenkäfer als ärgsten Feind der Waldbauern. Aber „neues Jahr, neues Glück“, meinte Stadler: „Wir als Waldbauern schätzen uns glücklich, wenn der Himmel uns genügend Regen schickt, der Käfer uns in Ruhe lässt, wir sturmfrei durchs Waldjahr kommen und bei der Waldarbeit nichts passiert.“

Weit über 200 Besucher war zur Jahresversammlung nach Schernfeld gekommen. Unter ihnen waren Bezirksrat Reinhard Eichiner, sehr zahlreich die Bürgermeister, BBV-Geschäftsführerin Erika Meyer und stellvertretender Kreisvorsitzender Johannes Scharl, Partner der FBG und Vertreter von Behörden und Banken. Ein Grußwort sprach Landrat Anton Knapp. Er nannte die FBG, die rund 2200 Mitglieder hat, eine feste Gemeinschaft, die sich mit viel Arbeit und Mühen um den Wald kümmere. Landtagsabgeordnete Tanja Schorer-Dremel zeigte sich überzeugt, dass die Waldbesitzer die vielfältigen Herausforderungen „mit Sachverstand und langjähriger Erfahrung“ gut bewältigen werden. Bereichsleiter Josef Beck vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hob das gute Miteinander hervor: „Wenn auch mit einem tiefblauen Auge, gemeinsam haben wir die großen Herausforderungen geschafft.“ Von Schernfelds Bürgermeister Ludwig Mayinger kam die Information, dass die Gemeinde demnächst das Walderlebniszentrum für den Neubau erschließen werde.

„Auch wenn kein Sturm geht, der Wind bläst uns immer ins Gesicht“, sagte Stadler. Er nannte die „bauernfeindliche Plakatkampagne“ des Umweltministeriums in Berlin und dessen Klimaschutzplan 2050. Als positive Nachricht vermeldete der Vorsitzende, dass die Fichte Baum des Jahres 2017 ist: „Echt eine Freude. Unser Brotbaum hat es endlich mal aufs Podest geschafft.“ Kritisch vermerkte Stadler, dass es für ein so starkes Land wie Bayern ein Armutszeugnis sei, die Fördertöpfe für den Wald versiegen zu lassen.

„Was trübt denn den Blick auf den Wald? Holzpreise, Naturereignisse? Oder vielleicht der ein paar Millimeter große Käfer?“, fragte Geschäftsführer Ludwig Schön eingangs seines Berichts über das Waldjahr 2016. Der Geschäftsführer machte auch gleich Mut: „Nicht jammern, schärfen Sie Ihren Blick im Wald und Sie haben wieder mehr Freude.“ In einer angenehm freundlichen und humorvollen Weise brachte der Geschäftsführer die Informationen aus dem Jahr 2016 rüber. Probleme bereiteten nach seinen Ausführungen die schlecht zu verkaufenden Sortimente wie Papierholz, Buchenstamm- und Buchenbrennholz.

Ein Lichtblick hingegen sei die Aufforstung: Insgesamt wurden knapp 120 000 neue Waldpflanzen gesetzt, 43 Prozent Laubholz und 57 Prozent Nadelholz, und fast alle seien durchgekommen. Probleme bereitete 2016 auch wieder der Borkenkäfer. Die Witterung ermöglichte eine starke Population, sodass die Waldbesitzer nicht „arbeitslos“ wurden. Ein Höhepunkt war im Herbst die Einweihung des FBG-Gebäudes in Preith. 617 800 Euro wurden in den Bau investiert. „Die Geschäftsstelle ist groß, hell und modern“, resümierte Schön. Die Forstbetriebsgemeinschaft investiert auch in neue Technik. Im März wird die App starten. Dazu werde ab 9.  März in der neuen Geschäftsstelle und bei Bedarf auch in den jeweiligen Ortsvereinen geschult. Danach können die Waldbesitzer ihr Holz per App aufnehmen.

Waldbauer mit Leib und Seele

FBG Eichstätt dankt Hans Schermer und verabschiedet Josef Beck

Schernfeld (zba) Bei der Jahresversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Eichstätt wurden zwei verdiente Landwirte geehrt. Josef Beck aus Morsbach war genau 31 Jahre als Obmann für die FBG Eichstätt ehrenamtlich tätig und hat sich um die Belange der 40 Waldbauern von Morsbach und Großnottersdorf gekümmert.

Große Verdienste beim Neubau der Geschäftsstelle hat sich Hans Schermer, ein „Waldbauer mit Leib und Seele“ aus Böhming, erworben.

Ein Obmann habe die Aufgabe, die Holzmengen vor Ort zu bündeln und bei der Holzübernahme behilflich zu sein. Vorstand und Geschäftsführung schätzten die Arbeit des Obmannes, weil er das Bindeglied zwischen der Geschäftsstelle und den Mitgliedern sei, hieß es in der Laudatio. Auch die Mitgliederwerbung sei ein wichtiger Teil seiner Aufgabe, denn er kenne Land und Leute vor Ort. Er sei ein „Kümmerer“ in seinem Zuständigkeitsbereich. FBG-Vorsitzender Hans Stadler und Geschäftsführer Ludwig Schön dankten Josef Beck für seine langjährige gewissenhafte Arbeit. Nachfolger als Obmann für Morsbach/Großnottersdorf wurde dessen Sohn Stefan. Hans Schermer war bis vor einem Jahr 25 Jahre lang im Vorstand der FBG. „Er hat den Verein durch seinen Sachverstand und seinen Einsatz begleitet und bereichert“, betonte Stadler. Nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand übernahm er die Betreuung beziehungsweise die Bauleitung des Neubaus der Geschäftsstelle in Preith. Für seine verantwortungsvolle und zuverlässige Arbeit dankten ihm Vorstand und Geschäftsführung.

Zur Erinnerung überreichten die beiden Vorsitzenden im Namen der FBG einen Bildband vom Bau der neuen Geschäftsstelle.

Donaukurier vom Mittwoch, 22.02.2017