Obmännerschulung 2017

♥ Uns steht die "FBG-Eichstätt APP" zur Verfügung! ♥

Mühlheim - Einen interessanten, informativen und lehrreichen Tag erlebten die Waldobfrauen/männer im Forst der Waldgenossenschaft Mühlheim. Die Forstbetriebsgemeinschaft Eichstätt (FBG), dessen Einzuggebiet von Mühlheim im Westen bis zur Grenze der Waldbauernvereinigung Altmannstein im Osten reicht, hatte die Obleute zur Fortbildung eingeladen. Dabei ging es um den Sicherheitsschnitt und die Sicherheitsvorschriften, die Rettungskette bei einem Unfall im Wald und den Waldumbau. Gastgeberin war Vorsitzende der Mühlheimer Genossenschaft Hildegard Rösch. Darüber hinaus präsentierten FBG Vorsitzender Hans Stadler und der neue Geschäftsführer Thomas Aukofer den Holzmarktbericht.

Sicherheitsfälltechnik

Forstwirtschaftsmeister Andreas Böhm vom AELF informierte darüber, was bei Forstarbeiten neu zu beachten sei. Denn ab 1. Januar diesen Jahres würden neue Vorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz im Forst gelten. Die Anpassungen tragen nach den Worten von Böhm einer Forstprävention Rechnung, ebenso spiegeln diese den Stand der Technik wider. Bei der Obmännerschulung stellte deshalb der Forstwirtschaftsmeister die sogenannte Sicherheitsfälltechnik bei einer Baumfällung vor und beschrieb die vielen Vorteile dieser Technik. So kommt der Baum nicht vorzeitig ins Fallen, die Bruchleiste und Bruchstufe, die den Baum lenken, können korrekt ausgeformt werden. Der Motorsägeführer kann alleine die Fällkeile setzen, ohne dass sich eine zweite Person im Schwenkbereich der Motorsäge aufhält. Ferner ermöglicht die neue Technik ein zeitiges und zügiges Zurücktreten in die Rückweiche. Die Arbeitsweise, wie Böhm weiter erklärte, reduziert auch das Risiko, dass der Baum aufplatzt. Der Baum wird also nicht „umgeschnitten“, „sondern umgekeilt“. Das Resümee von Andreas Böhm: „Die Fällung mit dem Sicherheitsband bringt so erheblich viele Vorteile an Arbeitssicherheit mit sich, dass nur noch diese Art für mich denkbar ist.“

Whats App am Beginn der Rettungskette

Alois Hecker, Abteilungsleiter im Amt vom AELF, und Franz Mayer, stellvertretender FBG Vorsitzender, zeigten auf, wie bei einem Unfall durch die modernen Kommunikationsmittel die Rettungskette Forst gestartet werden kann. Neue Schilder als Teil eines Satelliten gestützten Rettungssystem markieren künftig Treffpunkte für den Notfall im Wald. Jedem, der in der Natur, beruflich oder privat unterwegs ist, kann bei einem Unfall schneller geholfen werde. Die Statistik zeigt, so die Information von Hecker, dass der Anteil an schweren, lebensbedrohenden Verletzungen sehr hoch ist. Schnelle Hilfe ist notwendig und kann Menschenleben retten. Die Einsatzkräfte verlieren jedoch oft wertvolle Zeit bei der Suche in der freien Natur. Anders als im Ortsbereich fehlen hier verbindliche Straßen- und Ortsbezeichnungen zu Orientierung. Die Installation von beschilderten Rettungspunkten schließt diese Lücke in der Rettungskette und hilft den Rettern entscheidend weiter.

Die Lage der Rettungspunkte

Die Bayerische Forstverwaltung hat bayernweit die Treffpunkte im Privat- und Körperschaftswald erfasst. Im Staatsforst erfolgte dies zuvor durch die Bayerischen Staatsforsten. Alle Daten gab das Innenministerium an die Integrierten Leitstellen weiter. Grundsätzlich liegen die Treffpunkte an öffentlichen Straßen und sie sind ganzjährig mit dem PKW zu erreichen. Auch wenn derzeit noch nicht allzu viele Schilder aufgestellt sind, können die Treffpunkte genutzt werden. Den Rettungsleitstellen sind sie bekannt. Die genaue Lage der Rettungspunkte kann im Internet abgerufen werden. Außerdem sind eine Smartphone-App, „Hilfe im Wald“ und natürlich auch die FBG-Eichstätt APP verfügbar. Es besteht meist Mobilfunkempfang. Neben den beruflich im Wald Tätigen können auch andere Personen wie private Waldbesitzer, Wanderer, Pilzsucher, Radler und Reiter bei einem Unglücksfall auf diese Hilfe zurückgreifen. Durch die Angabe der Treffpunktnummer beim Notruf erspart sich der Anrufer eine manchmal schwierige Beschreibung des Treffpunkts. Franz Mayer von der FBG konkretisierte die „Hilfe im Wald“ am Beispiel der Rettungs-App, die die FBG in Auftrag gegeben hatte und die den Waldbauern zur Verfügung gestellt wird. Mayer schlug vor, Vertrauenspersonen zu benennen, die dann bei einem Unglücksfall eine Notfall-SMS erhalten. Durch das Drücken des Notrufbuttons bekommen die Vertrauenspersonen per Whats App Koordinaten und Lageplan mitgeteilt. Die Vertrauenspersonen begeben sich zum ausgewählten Rettungspunkt und weisen den Rettern den Weg. Wichtig dabei sei, so Mayer, dass eine Person am Rettungspunkt stehen bleibt, um allen Rettungskräften den Weg zu zeigen.

Bergung eines schwerverletzten Waldarbeiters

Mitten im Wald ist für den Rettungsdienst der Weg oft unzugänglich. Die Bergwacht Dollnstein demonstrierte unter der Leitung von Bereichsleiter Franz Mittermeier in einem Szenario, wie sie durch unwegsames Gelände und Gestrüpp zu einem schwerverletzten Waldarbeiter kommt und ihn zu einer befestigten Straße zu Übergabe an den Sanitätsdienst transportiert.

Waldumbau: Einbringen von Mischbaumarten in laufende Buchen-Naturverjüngung

Försterin Dr. Elke Harrer ist bei der FBG angestellt und kümmert sich hauptsächlich um die Waldpflegeverträge. Sie stellte an einem dafür markanten Waldstück von Mühlheim die Möglichkeiten zur Einbringung von Mischbaumarten in Buchennaturverjüngungen vor. In einigen Bereichen des Landkreises, so die Ausführungen der Försterin, ist die Buche sehr verjüngungsfreudig. Sie wächst buchstäblich wie die Haare auf dem Hund. Um für die Zukunft stabile Mischwälder zu erhalten, ist es wichtig in diese Buchenverjüngung noch ergänzende Baumarten einzubringen. Es stehen eine Vielzahl von Baumarten zur Anreicherung zur Verfügung. Hierzu gehören Laubholzarten, wie Eiche und das Edellaubholz, aber auch das Nadelholz wie die Douglasie, Lärche oder Kiefer. Welche Baumart gewählt wird, hängt zum einen vom Standort ab. Zum anderen ist die Ausgangssituation vor Ort ausschlaggebend. Bei schon laufender Verjüngung müssen Baumarten gewählt werden, die den Wuchsvorsprung der Buche noch einholen können. „In vielen Fällen eignet sich hier die Douglasie. Sie gilt als klimatolerant und verträgt Trockenheit und starken Wind besser als die Fichte. Außerdem ist sie sehr wuchskräftig und das Holz kann vielseitig verwendet werde“, so Dr. Harrer. Die Einbringung sollte, wie Harrer weiter ausführte, in Bereiche mit noch nicht so hoher Buchenverjüngung erfolgen. Zu Beginn kann sie noch im Halbschatten stehen, die Lücke sollte jedoch mindestens eine Baumlänge betragen. Nach spätestens drei Jahren muss jedoch nachgelichtet werden, damit sie sich voll entfalten können. Ansonsten kann das Wachstum nachlassen oder sie drohen umzufallen. Die eingebrachten Mischbaumarten müssen vor Verbiss und Verfegen geschützt werden. Hier kann ein Zaun gebaut oder, bei geringeren Pflanzenzahlen, Einzelschutz angebracht werden. Auch ist es bei den Nadelholzarten wichtig, die Pflanzen auf Rüsselkäferfraß zu untersuchen und bei Bedarf aktiv zu werden. Dr. Elke Harrer:Das Einbringen von Mischbaumarten ist immer mit Arbeit und Pflege verbunden. Aber diese Arbeit lohnt sich, damit so viele stabile Mischwälder geschaffen werden wie möglich".

Gesprächsrunde am Nachmittag - Holzmarktbericht

Am Nachmittag berichteten Vorsitzender Johann Stadler und Geschäftsführer Thomas Aukofer über die aktuelle Lage am Holzmarkt . Allgemeines Credo ist nach ihren Worten, dass sich die dunklen Wolken verziehen und die Preise für frisches Rundholz aufgrund der positiven wirtschaftlichen Signale wieder auf ein normales Niveau von ca. 90 Euro steigen werden. Man befinde sich momentan noch in laufenden Preisverhandlungen, aber die Tendenz sei klar ersichtlich. „Wer Frischholz will, muss einen anständigen Preis dafür bezahlen“, so die Aussage von Johann Stadler. Ein weiterer positives Signal kam auch vom AELF. Der neue forstliche Berater Peter Wohlfahrt berichtete über die neu aufgelegten Förderrichtlinien. Zusammenfassend stellte er fest, dass die forstlichen Arbeiten von der Jungwuchspflege, Naturverjüngung bis hin zu allen möglichen Wiederaufforstungen (Laubholzanteil) gefördert werden können. Ansprechpartner seien hier einzig die Revierleiter.

In der Diskussionsrunde sprachen die Obleute die oftmals schleppende Abfuhr an, was aber auf Grund der extrem hohen Käferholzmengen im Sommer auch nicht verwunderlich sei. Das Thema regionales Brennholz kam ebenfalls auf den Tisch. Hier wäre nach Meinung der Versammlungsteilnehmer dringend notwendig, durch gezielte Kampagnen die Bevölkerung aufzuklären, dass Brennholz aus beispielsweise Tschechien oder Rumänien zwar billig, aber oft nicht aus nachhaltiger Bewirtschaftung kommt.